• Rezension
• Autor: Štěpán Lenk
Die Doom-Serie von id Software gehört zu den unbestrittenen Videospiellegenden, die sich seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Szene hält. Nach dem hervorragenden Doom Eternal aus dem Jahr 2020 kehrt der titelgebende harte Kerl zurück, um die Mächte der Hölle zu bekämpfen, diesmal jedoch in ein mittelalterliches Reich. Wie es ihm in der neuen Umgebung ergangen ist, erfahren Sie in unserer Rezension.
Quelle: id Software
Eines kann man dem neuesten Doom nicht absprechen – es verschwendet definitiv nicht die Zeit des Spielers. Nach der unvermeidlichen Einführung führt es Sie sehr schnell in ein mittelalterliches Königreich, das sich verzweifelt gegen die Invasion höllischer Mächte unter der Führung von Prinz Ahzrak verteidigt. Das ist so ziemlich alles, was Sie über die Geschichte von Doom: The Dark Ages wissen müssen.
Die Geschichte bietet zwar einige häufig wiederkehrende Akteure wie den König, seine Tochter, den dämonischen Bösewicht und seine Handlanger und entwickelt die ziemlich komplizierte Mythologie des Doom-Universums weiter, aber zu den Charakteren baut man kaum eine Beziehung auf, geschweige denn zum klassisch stummen Doom Slayer.
DOOM: The Dark Ages | Offizieller Trailer 2
Quelle: Bethesda
Doom Slayer begibt sich ins dunkle Mittelalter.
Die Handlung ist hier nur eine Kulisse, deren einziger Zweck es ist, dem endlosen Dämonenmassaker einen gewissen Sinn zu geben. In dieser Hinsicht leistet sie zwar gute Arbeit, aber ein tiefgründiges Oscar-Erlebnis sollten Sie hier sicherheitshalber nicht erwarten. Eigentlich war die einzige Emotion, die The Dark Ages während des gesamten Spiels aus mir herauskitzelte, der unstillbare Wunsch, Prinz Ahzrak jedes Mal eine zu verpassen, wenn er auf dem Bildschirm erschien. Der Kerl schreit einfach mit seiner ganzen Existenz danach.
Doom: The Dark Ages ist ein Action-Shooter durch und durch, also stürzen sich die Feinde Hals über Kopf auf Sie, Blut fließt hier hektoliterweise und verschossene Projektile und Patronen werden millionenfach gezählt. Das Gameplay ist großartig, das Schießgefühl ebenso und das Arsenal ist ausreichend variabel, sodass wir alle wesentlichen Attribute eines unterhaltsamen Shooters erfolgreich abhaken können.
Klassische Doom-Stücke wie die doppelläufige Schrotflinte, das Plasmagewehr oder der Raketenwerfer fehlen natürlich nicht, aber es gibt auch ein Maschinengewehr, das zerquetschte Schädel verschießt, einen Pfahlwerfer, einen Kettenwerfer und andere interessante Exemplare (zum Beispiel eine stilvolle Variante der BFG), alle natürlich im passenden mittelalterlichen Design. Der Hauptstar des Arsenals von Doom: The Dark Ages ist aber ohne Zweifel der Schild in Kombination mit einer Kettensäge, hinter dem man sich nicht nur verstecken, sondern ihn auch vor sich werfen oder damit seine Feinde zerquetschen kann. Wenn Sie sich also jemals wie eine maximal brutale mittelalterliche Version von Captain America fühlen wollten, werden Sie wahrscheinlich so schnell keine bessere Gelegenheit bekommen.
Quelle: Eigene
Die Ausrüstung des Doom Slayers enthält viele klassische Waffen, natürlich in stilvoller mittelalterlicher Aufmachung.
Die Benutzung des Schildes ist ziemlich einfach. Durch Halten von L2 auf dem Controller decken Sie sich, mit der L1-Taste werfen Sie den Schild nach vorne (der sich dann für ein paar Sekunden im Opfer festsetzt, bevor Sie ihn zurückrufen), und mit der Kombination L2 und anschließend R2 führen Sie einen vernichtenden Angriff aus, bei dem Sie mit voller Geschwindigkeit mit dem Schild auf den Feind prallen und ihn entweder direkt in eine Mischung aus Blut und Knochen zerplatzen lassen oder ihm einen ordentlichen Teil seiner Gesundheit rauben.
Der Schild ist eindeutig eine großartige Erweiterung des Arsenals und eine innovative Neuheit innerhalb der Serie. Obwohl ich anfangs eine Weile gebraucht habe, um mich daran zu gewöhnen, dass ich mit der L2-Taste ausschließlich den Schild benutze und mit R2 schieße, sodass ich nach dem Vorbild klassischer Shooter anfangs ständig versucht habe, mit L2 zu zielen, hat sich alles wunderbar eingespielt, sobald es mir gelungen war, mein Gehirn umzuprogrammieren, und jeder Kampf verwandelte sich schlagartig in eine adrenalingeladene mittelalterliche Fahrt.
Mit Hilfe des Schildes lassen sich aber auch Umgebungsrätsel lösen und an sonst unzugängliche Orte gelangen, oder man kann damit feindliche Rüstungen zerstören oder Paraden durchführen – also grün markierte Angriffe und Projektile von Gegnern abwehren, wodurch man sie betäubt und die Gelegenheit für einen vernichtenden Nahkampfangriff erhält (sprich „ihnen mit dem Morgenstern eins über den Kopf ziehen“). Das richtige Timing und die Durchführung von Paraden sind dann ziemlich entscheidend und können Ihnen oft das Leben retten, besonders auf höheren Schwierigkeitsgraden.
Quelle: Eigene
Der Kettensägenschild ist zweifellos die beste Neuerung im Arsenal des Doom Slayers.
Was die Schwierigkeitsgrade betrifft, so bietet das Spiel zwar mehrere vordefinierte Stufen, die sowohl Anfänger als auch absolute Masochisten, die sich am Leiden erfreuen, zufriedenstellen. Gleichzeitig ermöglicht es aber auch, innerhalb dieser Schwierigkeitsgrade viele Faktoren individuell anzupassen, zum Beispiel das Zeitfenster für die Durchführung einer Parade. Dadurch können Sie das Gameplay erheblich an Ihre Stärken und Schwächen anpassen und das Spiel maximal genießen, was großartig ist.
Ansonsten setzt Doom aber weiterhin auf einen typisch altmodischen Ansatz – Gesundheit und Schilde regenerieren sich nicht von selbst, sondern man muss fleißig Erste-Hilfe-Kästen aufsammeln, die auf dem Boden herumliegen oder von getöteten Feinden fallen gelassen werden. Dem kommt auch das bewährte System der Exekutionen zugute, bei dem man nach entsprechender Schwächung des Gegners einen brutalen Angriff ausführen und ihn dorthin zurückschicken kann, wo er hingehört – in die Hölle. Als Belohnung gibt es natürlich eine ordentliche Portion Gesundheit und auch Schilde, was sich definitiv lohnt. Doom: The Dark Ages ist also wie gemacht für Leute, die die direkte Konfrontation bevorzugen.
Wie bereits erwähnt, spielt Doom: The Dark Ages in einer vom Mittelalter inspirierten Welt. Im Laufe der Story-Kampagne besuchen Sie allerlei Burgen, Dörfer, Städte und Tempel, aber im Rahmen der Umgebungsvielfalt werden Sie auch verschiedene Sci-Fi-Basen und Raumschiffe oder die Hölle selbst zu Gesicht bekommen. Über die Variabilität der Level kann ich mich also nicht wirklich beschweren.
Es muss jedoch angemerkt werden, dass der Doom Slayer diesmal von den Entwicklern viel Raum zum Austoben bekommen hat und wohl die weitläufigsten Level in der Geschichte der gesamten Serie spendiert bekommen hat. Von Zeit zu Zeit besuchen Sie also ein ziemlich großes Gebiet mit mehreren Zielen, die Sie in beliebiger Reihenfolge erfüllen oder einfach nur frei erkunden können.
DOOM The Dark Ages Comodo Champion Boss
Quelle: Eigene
Was als ziemlich normaler Kampf begann, endete schließlich als Bosskampf.
Es lohnt sich, die einzelnen Orte ziemlich sorgfältig zu durchsuchen, da dort Schlüssel zu geheimen Räumen, aber auch Materialien und Gold versteckt sind, die zum Aufrüsten von Waffen, Schild und Nahkampfangriffen bestimmt sind. Darüber hinaus gibt es dort auch oft optionale Bosse, deren Besiegen Ihre drei Schlüsselattribute – Gesundheit, Schilde oder maximale Munitionskapazität – dauerhaft erhöhen kann.
Ich muss sagen, dass dieser offenere Ansatz Doom gut steht und einen angenehmen Kontrast zu den engeren, korridorartigen Passagen des Spiels darstellt. Eine Abwechslung im Tempo bieten auch Missionen, in denen Sie einen riesigen Kampfroboter namens Atlan oder einen feuerspeienden kybernetischen Drachen mit Rotationskanonen auf dem Rücken steuern.
Quelle: Eigene
Die Passagen auf dem Drachenrücken gehören zu den schwächsten Teilen des Spiels, was schade ist.
Und obwohl ich mich auf diese Passagen aus den Trailern und veröffentlichten Spielausschnitten gefreut habe, handelt es sich leider um die schwächsten Teile des neuen Doom. Auf dem Schlachtfeld in einem riesigen Kampfmech herumzulaufen, beeindruckt zwar auf den ersten Blick durch seine Größenordnung, wenn man unerschrocken über das Schlachtfeld rennt, Mauern und Gebäude wie Sandburgen einreißt und sich dabei mit Dämonen von der Größe eines durchschnittlichen Wolkenkratzers prügelt, aber aus spielerischer Sicht handelt es sich um eine eher triviale und leicht stereotype Angelegenheit.
Ebenso ist das Herumfliegen auf dem Drachen nicht so spaßig, wie es scheinen mag, da die Steuerung der geflügelten Echse etwas umständlich ist. Am offenen Himmel ist das zwar nicht so auffällig, aber die Entwickler zwingen einen ziemlich oft, durch geschlossene Tunnel und enge Räume zu fliegen, sodass ich mir nach kurzer Flugzeit immer schnell wünschte, der Doom Slayer würde bald vom Drachen abspringen und sich mit der Schrotflinte in der Hand wieder unter die Dämonen stürzen. Glücklicherweise gibt es nicht allzu viele Passagen mit dem Drachen oder Atlan im Spiel.
Technisch gibt es an Doom: The Dark Ages nicht viel auszusetzen. Die Grafik ist großartig und spart nicht an Details, und besonders während der Zwischensequenzen können Sie den Slayer in seiner ganzen Pracht bewundern. Sehr gut gefallen haben mir auch die Designs aller Waffen und die hiesige Welt insgesamt, die Elemente aus Fantasy und Sci-Fi gekonnt zu einem funktionierenden Ganzen vermischt.
Quelle: Eigene
Auch das überwiegend depressive Doom: The Dark Ages kann von Zeit zu Zeit mit einem positiven Ausblick überraschen.
Ebenso erfreut haben mich die Sounds, sei es das Röcheln sterbender Dämonen, die Waffengeräusche oder das ohrenbetäubende Stampfen, wenn der Doom Slayer in schwerer Rüstung nach einem Sprung aus großer Höhe auf dem Boden aufschlägt – alles klingt einfach überragend gut.
Besonders hervorheben muss ich aber den fetzigen Metal-Soundtrack, der das Geschehen auf dem Bildschirm hervorragend untermalt. Und auch wenn ich keineswegs ein Fan dieses Genres bin, passen die harten Gitarrenriffs hervorragend zum Mähen von Dämonen, und jedes Mal, wenn die Musik so zu spielen begann, produzierte mein Körper etwa 300 % mehr Testosteron als normal. Falls also zufällig jemand etwas braucht, ich habe momentan ein paar Eimer übrig.
Alles in allem ist Doom: The Dark Ages ein verdammt gelungenes Spiel. Die mittelalterliche Ästhetik steht dem brutalen Dämonenjäger gut und bildet in Kombination mit dem hervorragenden Gameplay und dem soliden Waffenarsenal einen großartig atmosphärischen Shooter, den kein Fan rasanter FPS verpassen sollte. Das Studio id Software hat also sehr gute Arbeit geleistet.
Das adrenalingeladene Gameplay wurde in meinen Augen nur durch die Passagen mit dem Riesenroboter und dem kybernetischen Drachen leicht gebremst, diese wurden aber durch den Mehrzweckschild, mit dem ich auf dem Schlachtfeld viel brutalen Spaß hatte, reichlich kompensiert. Doom: The Dark Ages ist somit ein weiterer hochwertiger Eintrag in die Kult-Videospielserie, die auch nach 30 Jahren ihres Bestehens nicht an Puste verliert. Das Spiel erscheint am 15. Mai 2025 für PC (Steam), PS5, Xbox Series X/S und Game Pass.
• Quellen: Eigene
Abschließende Bewertung
Diese Rezension wurde für die PS5-Version des Spiels geschrieben. Der Key für die Rezension wurde vom Herausgeber des Spiels, Bethesda Softworks, zur Verfügung gestellt.
Doom Slayer hat sich im bisher letzten Teil seiner Serie in eine mittelalterliche Welt aufgemacht, wo er aber die gleiche Hölle entfesselte wie „in jungen Jahren“. Doom: The Dark Ages spielt sich hervorragend, sieht ausgezeichnet aus und klingt auch so, und gäbe es nicht die schwächere Geschichte und einige Missionstypen, hätte ich ihm wohl nichts auszusetzen. Dennoch handelt es sich um einen beispielhaft umgesetzten Shooter, der weiß, was er tut und was seine Fans erwarten.
Vorteile
Nachteile

Štěpán Lenk
Ich heiße Štěpán Lenk, und Videospiele gehören schon seit ich denken kann zu meinem Leben. Ich dachte, ich würde irgendwann daraus herauswachsen und mich später für andere Aktivitäten interessieren, aber Gott sei Dank hat sich nichts geändert. Mein liebstes Genre ist RPG und das Gameplay ist mir wichtiger als die grafische Ausarbeitung.
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Minimale Hardwareanforderungen | Empfohlene Hardwareanforderungen |
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| Betriebssystem | Windows 10/11 64-Bit | Windows 10/11 64-Bit |
| Prozessor | AMD Ryzen 7 3700X | Intel Core i7 10700K | AMD Ryzen 7 5700X | Intel Core i7 12700K |
| Grafikkarte | NVIDIA RTX 2060 SUPER | AMD RX 6600 | NVIDIA RTX 3080 | AMD RX 6800 |
| Arbeitsspeicher | 16 GB | 32 GB |
| Festplatte | 100 GB NVME SSD | 100 GB NVME SSD |
• Quelle: Steam (24. 1. 2025)